Schön pilgert

Schön pilgert Blog zu unserem Pilgerweg von Salzburg nach Santiago de Compostela

13. Etappe Pettneu-Klösterle ca. 26km Heute endlich die Königsetappe – der Arlberg! Wie hatte ich mich schon auf diesen ...
29/05/2026

13. Etappe Pettneu-Klösterle ca. 26km

Heute endlich die Königsetappe – der Arlberg! Wie hatte ich mich schon auf diesen Tag gefreut, aber auch ein bisschen Bammel wegen der Länge und der Höhenmeter mit dem schweren Rucksack und vor allem der unsicheren Schneelage.

Wir haben die letzten Wochen immer wieder die Webcams gecheckt. Es lag schon noch viel Schnee, aber dafür war es die letzten Tage auch brutal heiß gewesen, mit 15–20 °C in St. Christoph. Jeder Einheimische auf dem Weg hierher hat etwas anderes gesagt: „Jo freili mogst drüber gehn“, „Na, kimmst ned drüber, is no allaweil vü Schnee“ – von allem war etwas dabei. Worst Case wäre die Alternative über die Straße oder, wenn’s gar ned geht, mit dem Bus rüber und dieses Teilstück im Herbst nachholen. „Safety first“ musste sogar Jürgen zugeben.

Aber erstmal wieder einpacken, diesmal schon mit viel mehr System, fast alles hat seinen Platz gefunden. Kennt ihr das, wenn ihr glaubt, alles eingepackt zu haben, der Rucksack perfekt auf euren Schultern sitzt und dann entdeckt ihr noch was in der Wiese … uargh … Ich überlegte kurz, die Zahnpasta die nächsten acht Stunden einfach in der Hand zu halten.

Nach einem schnellen Frühstück verließen wir leider diesen wunderschönen Campingplatz. Herrliche Luft, traumhafter Fernblick und perfekte Wandertemperaturen begleiteten uns. Sehr weit kamen wir aber „leider“ nicht, bereits in St. Jakob erwartete uns die Trachtenmusikkapelle. Der freundliche Hausbesitzer, für den die Musi aufspielte, sah uns, rannte auf uns los und zack, brack – so schnell kannst gar ned schauen, hatten wir schon ein Seiterl und a Jausn in der Hand! Glücklich mampfend ratschten wir mit den Leuten und gingen mit leichten Füßen (no na … ein Seiterl um 09:00 Uhr früh) weiter Richtung St. Anton. Auch dort erwartete uns am 1. Mai die Musi. Ansonsten hatte dieser Wintertourismusort zwischen den Saisonen für mich den Charme eines Touristen mit Adidasschlapfen.

Im Kaffeehaus gab es dann noch ein zweites Frühstück, bevor wir den Aufstieg wagten. Die Einheimischen hier meinten, wir hätten Glück, und sie glauben schon, dass wir rüber können. Normalerweise würde noch Schnee liegen und die Leute noch Ski fahren. Tja, was soll ich sagen – wenn Engerln reisen halt …

Natürlich haben wir uns beim Verlassen von St. Anton noch zweimal verlaufen, aber dann ging es endlich die wunderschöne Rosannaschlucht entlang (oder wie Jürgen sie nannte "die enge Rosi"). Eine Wegbiegung kitschiger als die andere, bis wir oben wieder eine Asphaltstraße erreichten. Auch hier sind wir ca. 10 Minuten in die falsche Richtung abgebogen und kehrten schließlich um, bis zur Stiegeneckkapelle. Hinter der Kapelle ging im Wald ein kleiner Steig malerisch weiter bergauf, bis wir zum Maienweg kamen.Wie erwartet gab es hier südseitig nur mehr vereinzelt Schneefelder und wir konnten den Weg fortsetzen. Ein paar Serpentinen bergauf weiter – bääm – waren wir auch schon am Pass beim Maiensee. Da isser, der höchste Punkt des Camino.

Es ist schon ein tolles Gefühl zu wissen, dass von den Tausenden Menschen, die jedes Jahr den Camino gehen, nur wenige diesen Punkt erreichen, und ich erahnte langsam den Weg dernoch vor uns liegt. Ab hier, sobald wir die Bergseite wechselten, war er da: der Schnee. Teilweise versanken wir hüfthoch auf dem Weg nach St. Christoph und die Schönheit dieses Fleckchens liess sich unter dem ganzen Schnee nur erahnen. Sam wuzelte sich derweil freudig im Schnee und war begeistert von der Abkühlung. Mit Müh und Not konnte ich ihn davon abhalten, dass er in den teilweise noch gefrorenen Maiensee reinsprang.

St. Christoph ist nur eine Ansammlung toter Hotels – kein Leben, kein Café, keine Menschenseele. Wie gern hätte ich das Hospiz als Pilger betreten, wir zogen weiter Richtung Arlberg-Passhöhe, wo wir uns endgültig von Tirol verabschiedeten.

Hello Vorarlberg, das letzte Bundesland Österreichs auf unserem Weg in die Schweiz.

Auf der Passhöhe wurde es auch traurige Gewissheit: Nordseitig war der Weg unpassierbar. Hohe Schneewechten und Altschneefelder machten den Camino unmöglich begehbar.

Schweren Herzens machten wir uns auf der Bundesstraße auf den Weg nach Stuben und weiter nach Klösterle. Diese Kilometer auf der Straße waren schiach und schmerzhaft für uns alle Drei. Wir wurden von vielen Radfahrern, Motorrad- und Autofahrern leicht genervt überholt. Ich bemerkte, dass Sam mittlerweile unrund lief und Schmerzen hatte. In der Hoffnung, dass er einfach nur müde war, erreichten wir schließlic den Campingplatz in Klösterle. Diese Hoffnung sollte sich leider nicht bewahrheiten, aber dazu mehr in der nächsten Etappe.

12.Etappe, 30.04.2026 – Landeck–Pettneu am Arlberg, ca. 24 kmDie 1. Nacht im Zelt ist doch immer besch…eiden – da geht’s...
19/05/2026

12.Etappe, 30.04.2026 – Landeck–Pettneu am Arlberg, ca. 24 km

Die 1. Nacht im Zelt ist doch immer besch…eiden – da geht’s doch nicht nur mir so, oder? Auch das Aufräumen in der Früh hat noch kein System: Man packt falsch ein, nicht ist an seinem Platz, der Rucksack sitzt plötzlich ganz anders etc. etc. Aber es gibt nix, was nicht eine gute Tasse Kaffee wieder glattbügeln könnte. Ein weiterer Luxus, welcher immer bei uns mitkommt, ist eine kleine Bialetti-Mokka-Alukaffeemaschine. Sie ist nicht schwer und hat uns schon oft gerettet.

Die heutige Etappe war geprägt von Ungläubigkeit, Grant'n und Umleitungen, die kaum oder schlecht beschrieben sind.

Der Plan für heute war, irgendwo zwischen Stans und Grins wieder auf den Jakobsweg zu stoßen und dann gemütlich über Strengen und Flirsch nach Pettneu zu wandern – laut Wanderführer kaum nennenswerte Steigungen und traumhafte Ausblicke. Pillepalle, sag ich nur.

Okay, der erste Teil des Planes, auf den Jakobsweg zu stoßen, hat schon mal nicht funktioniert, weil wir irgendwo mal wieder eine Abzweigung nicht gesehen haben und somit über Landstraßen nach Grins rauf mussten. Der unförmige Rucksack, der Hund mit den Satteltaschen, die knapp vorbeifahrenden Autos und das Wissen, dass irgendwo über dir der eigentliche traumhafte Weg führt, haben nicht gerade zu Jubelstimmung geführt. Vielleicht war ich auch einfach nur hangry, weil’s nach einem Fleischkrapfal-Semmel vom Grinner Ladali 😊 dann wieder besser ging.

Aber nicht lange. Ein paar Meter weiter hatten wir eine von vielen zahlreichen netten Begegnungen, der uns berichtete: Der Originalweg nach Strengen ist gesperrt. Man kommt nicht durch den Wald, sondern muss wieder ganz runter bis zur B188 Paznaunstraße, und erst beim Kraftwerk Wiesberg können wir wieder rauf Richtung Strengen. Noch ganz ungläubig marschierten wir weiter, bis bei der Pfarrkirche sogar steht, wir sollen runter nach Pians, wo es eine Busumleitung bis Flirsch gäbe. Jürgens Stimmung im Keller, weil es für ihn keine schlimmere Bestrafung gab, als wenn wir Etappen abkürzen würden.

Unten angekommen: ein neues Jakobswegschild mit einem QR-Code für eine ominöse Busverbindung. Dieser QR-Code führte im Internet aber nur mehr auf eine Fehlermeldung. Irgendwo entdeckten wir bei der Brücke jedoch ein weiteres Muschelzeichen. Die Richtung, in die es zeigte, war aber sehr, sagen wir mal, „interpretationselastisch“.

Die Umleitung ist sicherlich notwendig, aber nicht wirklich schön, und so benötigen wir für die Strecke nach Strengen statt der im Buch angegebenen 2 Stunden – mit allem Verlaufen, Suchen und Überlegen – 4 Stunden. Jo mei, schließlich erreichten wir Flirsch in der Hoffnung auf ein offenes Wirtshaus, Restaurant – sogar ein Kebabstandl hätte mich erfreut. Aber besonders hier in Flirsch wird uns bewusst, wie ausgestorben und verlassen Tirol zwischen den Saisonen und ohne Touristen ist.

Kein Dorfleben, keine Kinder am Spielplatz, keine Spaziergänger, keine Gassigeher, keine alten Leute im Park, alles zu, alles verbarrikadiert. Kaum Dorfläden, keine Infrastruktur. Nachdenklich und hungrig (wieder mal) verliessen wir Flirsch in Richtung Pettneu. Hier verzichteten wir wegen schwerer Beine auf den sicherlich reizvolleren Höhenweg und blieben auf dem Radweg bis Pettneu.

An dieser Stelle will ich erneut die Gastfreundschaft und Herzlichkeit der Tiroler gegenüber Pilgern erwähnen. Der Campingplatz ArlBerglife Camping war eigentlich schon geschlossen, wir durften aber trotzdem noch dort zelten und sogar die Räumlichkeiten nutzen.

11. Etappe 29.04.2026 Bahnhof Imst/Pitztal -Landeck 24kmNachdem wir 2025 leider unser 2. Pilgerwochenende kurzfristig ab...
12/05/2026

11. Etappe 29.04.2026 Bahnhof Imst/Pitztal -Landeck 24km

Nachdem wir 2025 leider unser 2. Pilgerwochenende kurzfristig absagen mussten, war es wieder so weit: Wir gehen ENDLICH weiter! Diesmal war mir wichtig, dass wir von den teuren Hotel- bzw. Pensionszimmern wegkommen, also haben wir unsere UL-Ausrüstung vom Dachboden geholt und abgestaubt. Leider mussten wir feststellen, dass unsere superleichten UL-Schlafsäcke absolut nicht für die Tiroler Nächte Anfang Mai geeignet sind, und haben deshalb in wirklich wärmere Ausrüstung investiert. Sam sollte natürlich auch wieder dabei sein, daher war auch unser UL-Zelt zu klein. Also haben wir uns auch hier ein neues UL-Zelt mit Apsis für Hund und Ausrüstung gekauft. Aufg’maschelt mit unseren BIG 3 hatten wir glatt GR20-Nostalgie-Erinnerungen. Hundefutter für fünf Tage, Kocher, Gaskartusche, Essen, aufblasbare Isomatte, Schlafsack, kleines aufblasbares Kissen (ja, mein Luxus), Trinkblase mit ca. 2 l Wasser, Wassertrinknapf mit ca. 1 l für den Hund … Das allein waren schon sicher 8 kg, und dann kamen noch Wechselgewand, Ladegeräte etc. dazu … Von leichtfüßig waren wir weit entfernt. Jürgen war am Anfang sehr skeptisch, aber rückblickend war es für uns die beste Entscheidung. Wir konnten so schnell abschalten, es galt nur mehr laufen-essen-schlafen. Ohne Berührungspunkte mit der "normalen" Welt bleibt man in seiner kleinen Wanderblase.
Außerdem hatte ich mein Handy daheim vergessen und durfte mich auf fünf Tage unfreiwilliges Digital Detox freuen.
Wir starteten bei Nebel und leichtem Regen am Endpunkt vom letzten Jahr und gingen den Weg hinauf Richtung Arzl, wo wir bei einer Baustelleneinfahrt den gesperrten Jakobsweg-Wegweiser glimpflich „übersehen“ haben. Doch schon bald kam uns der erste Lkw mit Schuttladung entgegen, dessen Fahrer uns verwundert anschaute, bis wir schließlich auf einen Bagger stießen, der uns den Weg komplett versperrte. Keine 2 km am Weg und schon mussten wir wieder Alternativwege suchen. Supergenervt marschierten wir an einer Weggabelung hinauf, wo wir zur nächsten Absperrung kamen. Diesmal war der Weg aber richtig abgesperrt und ein Warnschild mit Hinweis auf mögliche Detonationen hingestellt, das nicht einmal wir uns getraut haben zu „übersehen“. Widerwillig und grantig mussten wir eine ordentliche Steigung in Kauf nehmen, wo uns weiter oben schließlich ein offizielles Jakobsweg-Umleitungsschild den Weg zeigte.
Also: Wer es uns nicht nachmachen möchte, sollte unbedingt nach Arzl weitergehen und nicht laut Buch rechts bei der Baudeponie abbiegen …
Auf dieser Etappe bis Landeck fand ich die Beschilderung mit den Muschelpfeilen öfter fragwürdig. Zumindest waren wir uns nie ganz sicher, wohin der Pfeil jetzt genau zeigt.
Der kurze, aber sehr steile Aufstieg nach St. Vigil hat mich mit dem Rucksack fast zerstört, aber die kleine Kirche mit den Graffiti aus dem 16. Jhdt. war die Strapazen wert. Unbedingt oben beim ersten Haus links nach dem Schlüssel für die Kirche fragen.
Zu diesem Zeitpunkt kam dann auch die Sonne raus und sie sollte bis Samstag bleiben. Der Weg führte uns dann immer am Bergrücken entlang, mal im Wald, mal durch Ortschaften.
Mein persönliches Highlight war die Rast in Kronburg,einem magischen Wallfahrtsort oberhalb von Zams, wo wir auch Schwester Rosa kennenlernen durften. Der Abstieg haben wir dann über einen Steig hinter dem Krankenhaus abgekürzt und marschierten von dort aus bis Landeck zum Campingplatz Riffler unschön über das Gewerbegebiet und entlang einer Hauptstraße. Dafür gab es dort viele Supermärkte und Geschäfte, um den Proviant aufzufüllen. Am CP selbst wurden wir von Herrn Schimpfössl sehr freundlich begrüßt und für den weiteren Tag perfekt beraten!

Die Gummikappen meiner Wanderstöcke nach 4 Tagen Wandern oder ca. 100km 😳
02/10/2025

Die Gummikappen meiner Wanderstöcke nach 4 Tagen Wandern oder ca. 100km 😳

02/10/2025
10.Etappe 04.05.2025 Haiming – Imst Pitztal Bahnhof 17km Heute endet unser 1. Pilgerwochenende  2025 und somit haben wir...
30/09/2025

10.Etappe 04.05.2025 Haiming – Imst Pitztal Bahnhof 17km

Heute endet unser 1. Pilgerwochenende 2025 und somit haben wir nur eine kleine Etappe auf dem Schirm, damit wir dann wieder am Abend rechtzeitig in unser Hamsterrad einspringen können. Je weiter weg wir uns bewegen, desto schwieriger wird die Tourenplanung für so kurze Wochenenden, da wir für die An- und Abreise schon fast je einen ¾ Tag miteinrechnen müssen. Es kommt bei mir auch das richtige Pilgerfeeling viel zu kurz. Mein Kopf kann nicht komplett abschalten, ich schleppe die Alltagsprobleme immer ein Stückchen mit. Wenn ich länger an einem Stück unterwegs bin, dann kann ich viel besser loslassen und mich mehr auf den Weg konzentrieren. Wir überlegen nächstes Jahr nur einmal zu laufen, dafür ein paar Tage länger.

Nach einem gscheid‘n Frühstück in der Pilgerunterkunft und dem obligatorischen bledn Gschau verlassen wir schwerzen Herzens Yiang und starten gemütlich auf dem Bojenweg dem Inn entlang bis zur Kneippanlage "Römerbadl". Diese hätten wir dies bereits bei 30°C Grad am Freitag gebraucht, heute aber zieht es uns schnell weiter. Wir wollen in Roppen den offiziellen Weg verlassen- seeehr zum Unmut des Göttergattens- und den alternativen Weg auf der linken Innseite nehmen, um die Benni-Raich-Brücke zu sehen. Der Weg ist bis auf einigen wenigen -unserer Meinung nach willkürlich- aufgestellten Wegweiser kaum als Jakobsweg Alternative ausgeschildert, sondern man folgt der Straße bzw. den Wanderwegweisern nach Arzl. Teils auf der Straße, teils Wanderwege im Wald steil bergauf und bergab passieren wir Waldele und die traumhaften Ausblicke auf den Inn, der hier viel schmäler und wilder fließt. Bei der Brücke angekommen, graut mir vor dem Abgrund, während Jürgen sich an den Aussichten nicht satt sehen kann. Hier zwingt uns die unbarmherzige Uhr zum Abbruch, obwohl wir noch sehr gerne weiterwandern würden. Es ist für mich immer wieder schwierig den Weg zu verlassen und in den Alltag zurückzukommen. See you im Herbst, lt. Plan sollten wir Tirol packen und in Vorarlberg einmarschieren.

9. Etappe 03.05.2025 Kematen - Haimring 37kmWolkenverhangen präsentiert sich am Morgen das Oberland, nach einem opulente...
07/07/2025

9. Etappe 03.05.2025 Kematen - Haimring 37km

Wolkenverhangen präsentiert sich am Morgen das Oberland, nach einem opulenten Frühstück im Hotel marschieren wir los, wir konnten etwas länger schlafen, der Wetterbericht sagt für heute Regen und bedeckt an, somit müssen wir auch nicht kühlen Morgenstunden ausnutzen. Das Highlight sollte heute die Zisterzienserabtei Stift Stams sein, hat uns aber ned wirklich umgehauen, das eigentliche Highlight war dann unsere aller erste Pilgerunterkunft in Haiming bei Yiang im outdoor-refugio.com https://www.facebook.com/share/16wd63n2wR/ , aber dazu später. Dem Inn entlang (...wieder mal🙄...) passieren wir schnell und unspektakulär Zirl, Inzing und Flaurling... wir tun uns echt schwer uns die Tiroler Ortsnamen zu merken und schnell wird daraus Zipf, Itzling und Flauschi... die Einheimischen mögen uns verzeihen! Leider führt der Jakobsweg nicht durch Telfs durch, sondern wir bleiben auf der "falschen" Innseite.
In Pfaffenhofen "zwingt" uns ein Regenguss zu einer Pause, aber das allgemeine Wirte-Sterben (also das Wirtshaus, nicht der Wirt selbst...) trifft auch Tirol und auch dieser Ort hat keinen Wirt, kein Kaffeehaus, was wir durch Gespräche mit Einheimische erfahren. So bleibt uns nur mehr die hiesige Pizzeria am Bahnhof.

Anschließend ziehen wir weiter nach Stams zum Stift, welches wir schon von weitem erblicken können und uns von oberhalb nähern. Kein Stempel, alles zu, wir ziehen enttäuscht weiter. Gleich nebenan in einer leicht schmuddeligen Apres-Ski Hütte trinken wir noch einen Kaffee und warten den nächsten Wolkenbruch ab.

Also ziehen wir die letzten 10km über Silz bis nach Haiming wo wir uns schon vorab bei der Pilgerunterkunft outdoor-refugio.com angemeldet haben und gegen 18:30 Uhr ankommen. Yiang, unsere Gastgeberin besteht aus 1,60m Lebensfreude, Schmäh und Gastfreundschaft 🤩. Kochen kann sie Bombe (das nächste Mal gibt es thailändische Küche) die Zimmer sind riesig, sauber und auch das Frühstück lässt keine Wünsche offen. Hier gibt es eine klare Empfehlung, Yiang und ihr Mann Otto haben wirklich eine tolle Pilgerunterkunft (auch wenn man mit Hund unterwegs ist) geschaffen! PS: Wer nach einer langen Pilgeretappe noch Kräfte über hat, kann sich noch an deren Bull riding Rodeo austoben😄

8.Etappe 02.05.2025 Gnadenwald-Innsbruck-Kematen ca. 35kmWir wachen mit sehr bizarren Bilder im Zimmer (Fotos unten) auf...
30/05/2025

8.Etappe 02.05.2025 Gnadenwald-Innsbruck-Kematen ca. 35km

Wir wachen mit sehr bizarren Bilder im Zimmer (Fotos unten) auf, starten aber dann gleich in der Früh mit dem obglatorischem blöden Gschau und erreichen nach wenigen Minuten Sankt Martin in Gnadenwald, die ja leider seit einiger Zeit keine Pilgerunterkünfte mehr anbieten. Diese Kirche bleibt mir besonders in Erinnerung, der Duft des frischen Holzes, die Bänke wirken wie neu- und das anbei angrenzende Pilgerstübchen mit einer alten Sitzbank und einem noch älter wirkendem Sofa mit zahlreichen Decken. Wie aus der eigenen Vergangenheit entsprungen, springen einem hier die Sprungfedern an den Popo bei dem Versuch sich dort hinzusetzen. Wenn wir das gewusst hätten, dann hätten wir uns das Zimmer in der Pension gespart und hätten sicher hier auch Unterschlupf für die Nacht gefunden.

Ab hier beginnt der Besinnungsweg nach Absam, aber ohne ein paar verwirrende Muschelpfeile scheint der Tiroler den Tag nicht beginnen zu können. Während wir also herum philosophieren, ob der Pfeil nun gerade aus, oder vielleicht doch leicht rechts hinzeigt, verfluchen wir innerlich (stehen ja immer noch auf Kirchengrund...) den Outdoor Sepp und seine gpx Daten auf https://camino-europe.eu/eu/at/jakobswege/jakobsweg-tirol-lofer-st-christoph-a-a/ der gnädige Herr scheint konsequent immer auf alle Orts- und Kirchenbesuche verzichtet zu haben, oder auch er hat sich ob der Tiroler Verwirrungstaktik mehrmals verlaufen...

"Karma wird's schon richten" Mentalität hilft meistens und die Richtung stimmt sowieso. Bis Innsbruck laufen wir zuerst durch Wälder, Gemüse- und Kräuteracker, wir entdecken Karottenfelder, Salat, Kohlrabi, Kraut, und ein herrlich duftendes gerade abgeerntetes Schnittlauchfeld...das Verlangen nach einem Butterbrot mit frischem Schnittlauch begleitet uns.

Der erste verklärte Blick zeigt ein wunderschönes Bergpanorama und Landwirtschaft, aber auf den zweiten Blick sehen wir aber auch wie stak diese Felder bereits verbaut und versiegelt sind, wieviele Pestizide und andere Gifte auf diese Felder gespritzt werden, wie nah diese an Gewerbegiebte und Autostraßen mittlerweile angrenzen, Erntehelfer aus Drittstaaten die wahrscheinlich zu einem Hungerlohn auf den Feldern arbeiten. Wir werden mehrmals von gewaltigen riesigen Traktoren im Schweinstempo auf die Seite gescheucht.

Und auf einmal aus dem Nichts riesige Ketten an Hochhäuser und Plattenbauten, sie kündigen die Nähe zu Innsbruck an, dessen Zentrum wir den Inn entlang gehend, erreichen.

Der Dom erwartet uns in seiner ganzen Pracht, wir freuen uns über den schönen Stempel. Anschließend gehen wir noch etwas weiter und finden kurz darauf auf einem Platz im Schatten von großen Sonnenschirmen ein Cafe für unser "Einser-Menü": Fanta und Kaffee. Während wir auf diesen warten, wundern wir uns noch, warum alle in der Mitte des Platzes stehen bleiben und die Handykamera zücken?? Sitzen wir doch unbemerkt unterm goldenen Dacherl ...

Nach einer Jause bei der Uni am Inn Ufer starten wir mit dem 2.Teil der heutigen Etappe. Der Wanderführer verspricht schon nichts Gutes und er sollte Recht behalten, dem Inn folgend bis nach dem Flughafen, es ist brütend heiss, mein Körper ist Anfang Mai noch keine Temperaturen über 30°C Grad gewohnt, mein Kopf expoldiert gleich und meine Stimmung sinkt proportional dazu. Aber wir wissen, Gehmarsch-Autobahnen gehören nun mal dazu, es kann ja nicht immer kitschig schön sein.

Das Cafehaus in Völs rettet mich hier und auch der Weiterweg über den Himmelreichweg mit der neuen kleinen Pilgerkapelle sind wunderschön, aber die Hitze und die KM hinterlassen bei mir erste Spuren. Der Göttergatte hingegen marschiert in einem Elan und Tempo, als wären wir grade erst losgegangen, was mich auch noch zusätzlich ärgert. In Kematen haben wir bei der Unterkunftssuche wenig Glück, die einen haben zu, die anderen aufgehört. Jürgen meint, wir können entweder ins schicke Edelmann gehen und unser Budget überstrapazieren oder noch weitere 3km in Zirl unser Glück zu versuchen, während ich lachend bereits im Hotel einchecke.

Heute an der Etappe hat mir besonders gefallen, dass die Menschen hier sich freuen uns Pilger zu sehen. Sie stoppen am Feld ihren Traktor, sie halten mit Autos und Fahrräder an, immer bereit für ein neugieriges Pläuschchen. Oft begleitet von der Melanchie des Bedauerns

7.Etappe 01.05.2025 Stans - Gnadenwald ca.17kmHeute geht es endlich weiter, nach einem gefühlt ewigen Winter. Anfang Mai...
24/05/2025

7.Etappe 01.05.2025 Stans - Gnadenwald ca.17km

Heute geht es endlich weiter, nach einem gefühlt ewigen Winter.

Anfang Mai und es sind Temperaturen von über 27°C Grad angesagt, schweren Herzens entscheiden wir uns Sam dieses Mal zu Hause zu lassen. Sam ist der bravste Wanderhund, aber mag er als großer schwarzer Hund die Hitze überhaupt nicht.

Diesmal stellen wir unser Auto am Zielpunkt ab und fahren mit dem Zug retour. In Stans angekommen, spüren wir gleich die außergewöhnliche Hitze und bereuen es nicht, Sam zuhause gelassen zu haben. Relativ viel Asphaltanteil und durch Innsbruck durch, hätten Sam keine große Freude bereitet.

Die Strecke geht von Stans über Wald- und Wiesenwege von Vomp nach Terfens. Wir kreuzen sehr vielen Influencer auf dem Weg zum aktuellen Insta-hotspot und belächeln ehrlicherweise deren klassischen Influencer-Ausrüstung- Guess Täschchen und Flipflops. Viele Einheimische, mit denen wir ins Gespräch kommen, beäugen diese aber kritisch, da der Weg dorthin doch eine anspruchsvolle Wanderung ist, das entsprechendes Schuhwerk benötigt und es daher sehr oft zu gefährlichen Bergrettungseinsätzen kommt.

Wir treffen auch eine weitere Pilgerin, die 2. auf unserem Weg und plaudern eine Zeitlang entlang auf unserer gemeinsamen Strecke.

Nach einem kleinen Kaffeehaus-Stop geht der Weg gemütlich rauf über Maria Larch (unbedingt das weiche Quellwasser probieren) über Innerwald auf einem breiten Schotterweg rauf nach Gnadenwald, wo uns das perfekte Tiroler -Kitsch-Panorama erwartet. Wenn jetzt von der Seite noch eine jodelnde Kuh ins Bild springt, ist der Rahmen perfekt.

"it's a wrap" beschließen wir dann bei den Martinsstuben, wo wir auch ein kleines Zimmer für die Nacht bekommen. Die Wirtsleut sind wahnsinnig freundlich, obwohl wir ehrlich gesagt auch nicht immer alles verstehen was sie sagen... und die Zimmer sind sauber, wenn auch schon etwas in die Jahre gekommen.

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