30/08/2026
30. August 1944. Plötzensee. Ein Gefängnishof in Berlin.
Ein General wartet auf seinen letzten Weg.
Carl-Heinrich von Stülpnagel.
Vor wenigen Wochen sah seine Welt noch völlig anders aus.
Paris, 20. Juli 1944.
In den Büros der deutschen Militärverwaltung klingeln die Telefone. Befehle gehen raus.
SS, SD und Gestapo werden festgesetzt.
Rund 1.200 Männer sitzen plötzlich hinter Gittern. Darunter Carl Oberg, einer der mächtigsten SS-Führer im besetzten Frankreich.
Für ein paar Stunden steht die Besatzungsmacht Kopf.
Die Männer, die normalerweise andere abholen lassen, werden selbst abgeholt.
Dann kommt eine Meldung aus Deutschland.
Hi**er lebt.
Damit ist alles vorbei.
Die Gefangenen kommen frei. Die Befehle werden zurückgenommen. Die Macht kehrt zu denen zurück, die sie vorher hatten.
Stülpnagel weiß, was jetzt kommt.
Auf dem Weg nach Deutschland hält er bei Verdun.
Ein Schlachtfeld, das er bereits aus dem Ersten Weltkrieg kennt.
Pistole.
Schuss.
Er überlebt.
Schwer verletzt, fast blind.
Dann Berlin.
Freisler.
Der Volksgerichtshof.
Todesurteil.
30. August 1944.
Plötzensee.
Der General wird erhängt.
Aber bevor man aus dieser Geschichte eine Widerstandslegende macht, lohnt sich der Blick zurück.
1941.
Stülpnagel führt die 17. Armee beim Angriff auf die Sowjetunion.
Kommissarbefehl. Massenerschießungen. Judenverfolgung. Vernichtungskrieg.
Stülpnagel steht auf der Seite der deutschen Kriegsführung.
1942.
Paris.
Militärbefehlshaber.
Geiseln werden erschossen. Die Résistance wird bekämpft. Menschen verschwinden in Gefängnissen und Lagern.
Und zwei Jahre später lässt derselbe General SS und Gestapo verhaften.
Genau hier wird die Geschichte unbequem.
Stülpnagel war Teil dieses Systems.
Später stellte er sich dagegen.
Beides gehört zu seiner Geschichte.
Und vielleicht sollte man einen solchen Ort genau deshalb nicht mit einer einfachen Heldenlegende verlassen.
Denn Plötzensee war am Ende nicht nur der Ort, an dem ein Widerstandskämpfer starb.
Hier endete das Leben eines Mannes, der lange genug an der Seite dieses Regimes gestanden hatte, um selbst Teil seiner Geschichte und seiner Schuld zu werden.
Wie würdet ihr ihn nennen?
Widerstandskämpfer?
Täter?
Oder beides?
Ich bin gespannt auf eure Meinung.