06/07/2026
Reportage: 1.400 Kilometer Verantwortung – Unterwegs mit Roland im Livestock Express
Start ist in Bayern. Der rote Iveco S-Way von Transporte Lintner steht bereit. „Rolando“ steht auf der Fahrertür. Am Steuer: Roland, Handtuch um den Hals, Sonnenbrille schon griffbereit. Heute geht es über den Brenner Richtung Roma und weiter nach Süditalien. Im Auflieger: trächtige Rinder für die Nachzucht und Kälber. Wertvolle, lebendige Fracht.
Verladung mit Veterinär
Bevor es losgeht, steht die Verladung mit Veterinär an. Jedes Tier wird einzeln begutachtet, Papiere geprüft, der Gesundheitszustand dokumentiert. Erst wenn der Amtsveterinär sein Okay gibt, schließt Roland die Klappe. „Ohne Freigabe rollt hier kein Meter“, sagt er. „Das ist Absicherung für die Tiere und für uns.“
Der Check vor dem Start
Für Roland beginnt Langstrecken-Transport nicht mit dem Zündschlüssel, sondern mit Kontrolle. Jeder Handgriff sitzt.
Einstreu: Der Boden ist dick mit Stroh ausgelegt. „Das ist Komfort und Sicherheit“, erklärt Roland. Es saugt Flüssigkeit auf, gibt Halt und verhindert, dass die Tiere rutschen. Alle 4 Stunden schaut er nach.
Wasserversorgung: Jeder Abschnitt hat eigene Tränken mit Frischwassertank. Bei Kälbern läuft das über ein eigenes Tränkesystem mit Saugnuckeln in passender Höhe. „Die Kleinen müssen ständig trinken können, sonst bauen sie sofort ab.“ Der Durchfluss wird vor Abfahrt geprüft. Alle 2 Stunden ein kurzer Blick auf die Füllstände.
Belüftung: Die Seitenklappen und Zwangslüfter am blauen Auflieger sind Rolands Versicherung gegen Hitzestress. Heute zeigt das Thermometer in Italien 34°C. Die Lüfter laufen auf Stufe 2. „Stehende Luft ist Gift. Besonders bei trächtigen Rindern.“
Unterwegs auf der E45 Richtung Roma
Die Autobahn zieht sich durch die Berge. Im Rückspiegel: grüne Hänge, vor uns das Schild „Ferentino“. Roland fährt ruhig, vorausschauend. Jede Bodenwelle, jedes Bremsmanöver spüren die Tiere dreifach.
Auf dem Tablet neben ihm läuft die GPS und Temperatur Überwachung. Zwei Sensoren pro Ebene senden Live-Daten. 24,8°C im oberen Deck, 26,1°C unten. Luftfeuchtigkeit: 58%. Alles im grünen Bereich. Das System schlägt Alarm, wenn Grenzwerte überschritten werden. „Früher hast du es am Verhalten gemerkt. Heute sagt es dir die App, bevor es kritisch wird.“
Die GPS-Daten gehen direkt an den Landwirt und das Veterinäramt. Volle Transparenz, lückenlose Dokumentation.
Pflichtpause mit Pflichtprogramm
Rastplatz in der Toskana. Motor aus, aber Rolands Arbeit läuft weiter. Erste Runde durch den LKW. Er kontrolliert die trächtigen Rinder für die Nachzucht. Sie stehen in abgetrennten Boxen, haben mehr Platz. „Die sind doppelt empfindlich. Stress kann hier richtig Schaden machen.“ Er prüft, ob alle liegen, käuen, entspannt sind.
Dann zu den Kälbern mit eigenem Tränkesystem. Die Nuckel werden gereinigt, das Wasser läuft. Die Kleinen trinken gierig. „Wenn die Kälber saufen und neugierig sind, weißt du: Es passt.“
Nachtfahrt ist Kopfsache
Der „Livestock Express“ steht beleuchtet auf einem Parkplatz. Die Nacht bringt 19°C und damit Entlastung. Roland wischt den Schweiß ab, grinst in die Kamera und zeigt Daumen hoch. Passion sieht genau so aus.
„Viele sehen nur den LKW. Aber das hier ist Verantwortung für Lebewesen“, sagt er leise. „Du bist Tierpfleger, Mechaniker, Meteorologe und Fahrer in einer Person. 40 Tonnen Gesamtgewicht, aber die paar hundert Kilo pro Tier wiegen am schwersten.“
Ankunft mit Verantwortung
Ziel erreicht. Der Empfangsbetrieb prüft die Tiere erneut mit dem Amtsveterinär. Das Ergebnis: Kein Tier gestresst, keine Verletzung, die Kälber trinken sofort wieder. Die trächtigen Rinder werden ruhig abgeladen.
Roland macht seinen letzten Eintrag im digitalen Fahrtenbuch: Temperaturverlauf gespeichert, Tränkezeiten dokumentiert, GPS-Route hinterlegt.
Langstrecken-Tiertransport ist kein Job, es ist Handwerk mit Haltung. Technik wie GPS und Temperatur Überwachung hilft. Entscheidend bleibt der Mensch dahinter. Und Roland? Der sitzt bei der nächsten Tour wieder im Iveco. Handtuch um den Hals. Daumen hoch. Weil es für ihn nichts anderes gibt.