Jonathan Basel

Jonathan Basel Unterwegs auf Europas Wasserstrassen
Reiseberichte von Donau, Main, Lahn, Rhein, Götakanal, Oder, Havel, Elbe und diversen Kanälen. Alle Angaben ohne Gewähr.

Unsere Liegeplätze/Ankerplätze und die von uns gemessenen Fliessgeschwindigkeiten der Flüsse.

Irgendwann geht auch die schönste Saison zu Ende!Mit goldenen Herbsttagen auf der belgischen Maas wurden wir standesgemä...
05/11/2025

Irgendwann geht auch die schönste Saison zu Ende!

Mit goldenen Herbsttagen auf der belgischen Maas wurden wir standesgemäß verabschiedet – fast, als hätte Neptun persönlich den Hut gezogen. Nun noch zehn Tage die Blessuren der Saison pflegen, Roststellen am Ego überpinseln – und dann heißt’s: Kurs Heimat!

Über 2.500 km führte uns die diesjährige Reise – nautisch gesehen also einmal quer durch die Gemütlichkeit.

Gestartet in Meppen an der Ems, schipperten wir im Frühjahr bis nach IJlst bei Sneek. Groningen, Dokkum, Leeuwarden – alles angelaufen, brav geknipst und für „empfehlenswert" erklärt. Die legendäre Turfroute beendete den ersten Akt, bevor das Getriebe zur Kur durfte – Wellness mit Ölwechsel inklusive.

Mitte Juli wieder „alle an Deck, klar zum Ablegen!“ – und weiter ging’s auf der Amstel-Vecht-Runde. Danach gemütlich über die hübsche Linge, durch den Biesbosch (wo die Mücken den Funk übernehmen) und über Zeeland bis Vlissingen. Entlang der belgischen Küste erreichten wir in Nieuwpoort wieder Binnengewässer – endlich wieder ohne Wellengymnastik!

Belgien begeisterte uns auf ganzer Linie: Brügge zum Dahinschmelzen, die Leie zum Dahingleiten, Gent zum Verweilen – und das Sahnehäubchen: 73 Meter Aufstieg im Strepy-Thieu-Hebewerk! (Da wird selbst der Skipper ehrfürchtig still – zumindest kurz.)

Über den Canal du Centre und die Sambre gings dann auf die Maas, wo wir heute in unserem Winterhafen in Huy festgemacht haben.

Damit ist eine wundervoll erlebnisreiche Saison zu Ende gegangen. Wir sind dankbar – und ehrlich gesagt auch ein bisschen stolz –, dass wir diesmal nur geplante Reparaturen hatten.

Den schrecklich bootlosen Winter werden wir uns – wie schon die letzten – mit unserer Landyacht in wärmeren Gefilden vertreiben. Bis es wieder heißt: Leinen los zu neuen Abenteuern!

Wohin? Wodurch? Wer weiß das schon – wir lassen uns überraschen.

Euch allen wünschen wir einen kurzen und schmerzlosen Winter 🥰!

27/10/2025

Der Ascenseur funiculaire de Strépy-Thieu

Kanalbau & historische Hebewerke

Der Canal du Centre wurde ab 1879 in Belgien gebaut.
Um im Abschnitt zwischen La Louvière und Thieu eine Höhendifferenz von rund 73 Metern zu überwinden, entstanden zwischen 1888 und 1917 vier hydraulische Hebewerke und zwei Schachtschleusen.

Jedes der vier Hebewerke überwindet etwa 15–17 Meter.
Sie arbeiten mit hydraulischen Zylindern, die mit Wasser gefüllt sind – ein bis heute erstaunlich effizientes System: Der talfahrende Trog wird um etwa 20 cm höher mit Wasser gefüllt als der bergfahrende. Durch dieses minimale Ungleichgewicht senkt sich der eine Trog, während sich der andere hebt – ganz ohne zusätzliche Energiezufuhr.

Die Anlagen waren für Lastkähne der Freycinet-Klasse (39x5m) bis etwa 300 Tonnen ausgelegt.

Mit dem Aufkommen größerer Schiffe und einem europäischen Standard von 1.350 Tonnen in den 1950er- und 60er-Jahren stieß die alte Kanaltrasse jedoch an ihre Grenzen – sowohl hinsichtlich Größe als auch Effizienz.

So entstand der Plan, eine neue Kanaltrasse mit einem einzigen, modernen Hebewerk zu errichten, das die gesamte Höhendifferenz in einem Schritt überwindet.

Das neue Hebewerk Strépy-Thieu

Der Ascenseur funiculaire de Strépy-Thieu wurde ab 1982 gebaut und am 30. August 2002 in Betrieb genommen.
Er überwindet eine Höhendifferenz von 73,15 Metern zwischen Unter- und Oberkanal.

Zwei unabhängige Tröge mit jeweils 112 Metern Länge und 12 Metern Breite bewegen sich dank Gegengewichten und einem System aus zahlreichen Stahlseilen präzise und energieeffizient auf und ab.

Heute ist das Bauwerk nicht nur ein technisches Meisterwerk der Ingenieurskunst, sondern auch ein beliebtes Ausflugsziel mit Besucherzentrum und Aussichtsplattform.

Die vier historischen Hebewerke des alten Canal du Centre sind weiterhin erhalten, für die Freizeitschifffahrt geöffnet und gehören inzwischen zum UNESCO-Welterbe.

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